Family-Roadtrip in Neuseeland (Nordinsel)

Fünf Wochen Neuseeland mit der Familie: Ein lang ersehnter Traum geht in Erfüllung. Das Abenteuer im Campervan bringt natürlich einige Herausforderungen mit sich. Nur schon die Nordinsel lässt jedoch unsere Herzen höher schlagen und es ist für jeden (Landschafts-) Geschmack etwas dabei.

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Unsere Reise beginnt am 30. November 2016 am Flughafen in Auckland, wo ich nach einem Monat Solo-Reisen in Indonesien wieder meine beiden Brüder Stephan und Cornel und meine Mutter Elisabeth treffe. Mit unserem Camper, der die nächsten fünf Wochen unser Wohnzimmer, Schlafzimmer, Fortbewegungsmittel, Küche und Abstellkammer in einem ist, erkunden wir zuerst die Nordinsel von Neuseeland. Geplant wird von Tag zu Tag, abhängig von unserer Laune, dem Wetter und Aktivitäten in der Umgebung.

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Gleich in der ersten Woche geht es ganz in den Norden der Nordinsel zum Cape Reinga.

Für jeden etwas dabei

Unsere Reise führt von Auckland aus bis in den hohen Norden zum Leuchtturm am Cape Reinga. Immer wieder folgen wir den typischen, braunen oder grünen Schildern am Strassenrand zu Orten, die anscheinend kein Reisender in Neuseeland verpassen sollte. Teilweise verlassen wir uns auch auf Wegbeschreibungen in Reiseführern oder von Leuten, die uns eine Sehenswürdigkeit ans Herz gelegt haben. Belohnt werden wir mit Eindrücken aller Art, wobei jeder von uns auf seine Kosten kommt. Für Cornel, der schon seine Kindheit in Wäldern und auf Bäumen verbracht hatte, bilden die Wanderungen und Spaziergänge zwischen den gigantischen Bäumen der Kauri-Wälder und den Redwoods bei Rotorua das Highlight.

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Die gigantischen und bis zu 2000 Jahre alten Kauri-Bäume sind sogar zu dick für eine Gruppen-Umarmung.

Ein Tauchgang und eine Höhlen-Exkursion rund um die Poor Knights Islands bei Tutukaka lassen das Taucher-Herz von Stephan höher schlagen. Während er mit Fischen schwimmt und Vögel beobachtet, erkunden wir drei anderen die Buchten von Matapouri. Elisabeth könnte stundenlange am Strand oder auf einer Klippe sitzen und den Wellen zuschauen. So findet sie auch am 90 Miles Beach, am Spirits Bay oder bei der Bootsfahrt mit den Delfinen im Bay of Islands ihren Frieden. Auch ich bin jedes mal fasziniert von weissen Sandstränden mit tiefblauem Wasser, jedoch muss bei mir auch ab und zu die Post abgehen. In besonderer Erinnerung bleibt mir deshalb der Sprung mit Adrenalinkick bei den Whangarei Falls. Wenn Stephan und ich im Vorherein gewusst hätten, dass der Wasserfall ganze 26 Meter hoch ist, hätten wir den Sprung wohl nicht gewagt. Der Abend auf dem idyllischen Campingplatz Utea in den Dünen vom 90 Miles Beach war ebenfalls ein Highlight. In der gemütlichen Gemeinschaftsküche komme ich schnell ins Gespräch mit anderen Reisenden und bald trinken wir zusammen leckeren Ingwer-Wein, plaudern und spielen Karten.

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Whangarei Falls: Nach dem Sprung über 26m in die Tiefe ins eiskalte Wasser.

Täglich ein neues Abenteuer

Unsere Tage sind intensiv, auch wenn wir teilweise viel Zeit mit Autofahren verbringen. Schnell haben wir uns alle an den Linksverkehr gewöhnt, auch wenn wir auch nach einer Woche mal den Scheibenwischer anstelle des Blinkes einschalten, wenn wir abbiegen. Unsere Reise führt zu zahlreichen anderen Wasserfällen, auf Vulkane (Tukatuka und Rainbow Mountain), zu einem versteckten Hot Pool mit Mini-Wasserfall (den wir für uns alleine hatten) unweit des Lady Knox Geysirs und in Tropfsteinhöhlen mit Glühwürmchen an der Decke. Wir erkunden die Coromandel-Halbinsel, spazieren zum Cathedral Cove und buddeln später unseren eigenen Pool am Hotwater Beach. Je nach Ausflugsziel nehmen wir auch einige Kilometer holprige Schotterstrassen in Kauf, auf denen wir (und auch hörbar das ganze Kücheninventar) so richtig durchgeschüttelt werden.

 

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Fast schon kitschige Stimmung im Felsen-Tunnel des Cathedral Cove.

Zweimal tauchen wir in eine komplett fremde Welt ein. Einerseits machen wir einen Ausflug ins Auenland nach Hobbiton zum Filmset von Herr der Ringe und Der Hobbit. Andererseits lernen wir im Maori-Dorf Whakarewarewa die Maori-Kultur besser kennen und sehen den traditionellen Haka. Städte umfahren wir grossräumig, nur ich gönne mir eine Nacht Pause von Camper und Familie und erkunde Wellington, wo ich auf einer Couchsurfing-Party lande. Eine Hiobsbotschaft ist für uns, dass wir das Alpine-Crossing im Tongariro-Nationalpark aufgrund von Schneefall und Sturmwarnungen von unserer Liste streichen müssen. Umso mehr freuen wir uns nun auf ausgedehnte Wanderungen auf der Südinsel.

 

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Im Vergleich zum überbevölkerten Hot Water Beach haben wir diesen angenehm warmen Pool für uns alleine.
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Coromandel Peninsula: Nur einer von zahlreichen Orten in Neuseeland mit phänomenaler Aussicht aufs Meer.

Zu viert auf sechs Quadratmetern

Dass sich Neuseeland am besten per Camper oder Auto erkunden lässt, wird wohl jeder, der hier war, bestätigen. Alle möglichen Modelle und Ausführungen von Camper, Vans und auch Camping- und Stellplätze prägen das Landschaftsbild. Wir haben einen Lucky-Camper, der klein, aber oho ist. Unermüdlich bringt er uns vom einen Ende der Insel zum anderen, und er hat alles, was es zum Reisen braucht: Vier Schlafplätze, einen Wassertank, eine kleine Küche mit Lavabo, Gasherd und Kühlschrank und ein chemisches Mini-Plumpsklo. Aber eben, er ist auch klein (sechs Quadratmeter könnten hinkommen) und zu unserem Nachteil sind alle Familienmitglieder eher gross gewachsen. Sind wir zu viert im Camper, wird es richtig eng, das Gepäck verfrachten wir nachts auf die Vordersitze und wenn es nicht regnet, sind unsere Koffer und Rucksäcke meist am Boden um den Camper herum ausgebreitet. Die beiden Schlafplätze unter dem Dach sind so eng, dass nicht einmal ich meine Knie aufstellen kann, wenn ich auf dem Rücken liege. Die Jungs berühren sogar mit ihren Zehen die schräg abfallende Decke. Dreht sich jemand um, wackelt das ganze Auto.

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Unsere Koffer und Rucksäcke haben kein Platz im Camper, wenn wir das Bett einrichten, kochen oder essen.

Solange das Wetter mitspielt, können wir problemlos wild-campieren, Duschen muss nicht täglich sein. Einen höheren Stellenwert hat das Essen und die Nahrungsbeschaffung sprich Stops in Supermärkten. Momente, in denen jemand „hangry“ ist, kommen nicht selten vor. Hat jemand schlechte Laune, sind sechs Quadratmeter eindeutig zu wenig. Zum Glück kennen wir uns schon einige Jahre und wissen ungefähr, wer wie tickt und wann man wen besser in Ruhe lässt. Meist reichen ein Spaziergang in der Umgebung oder ein notfallmässiger Burger, um die Situation zu entschärfen. Sobald alle satt sind, können wir uns Gedanken zu Ausflugszielen am nächsten Tag machen. Danach verstauen wir das Gepäck, bauen das Wohnzimmer zum Schlafzimmer um und verkriechen uns in unsere Betten, wo wir bald von Riesen-Bäumen, Stränden, Fischen und Wasserfällen träumen.

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In diesem kleinen Camper gibt es zwei Etagen zum Schlafen.

(Der Blogbeitrag zu den Abenteuern auf der Südinsel folgt im Januar 2017.)


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