Unterwegs mit Lomboks Longboard-Pionier

Nach Lombok musst du gehen zum Longboarden, die Strassen sind super dort“, riet mir eine Kollegin. Was ich nicht wusste, ist, dass die Longboardszene aus einer Hand voll Leuten besteht, deren Ausrüstung mehr schlecht als recht ist. Und alles mit einer Person steht und fällt.

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Herumposen am Mawun Beach mit den „Lomboarders“, wie sich die Longboarder auf Lombok selbst nennen.

Nach der unglaublich guten Erfahrung mit den Longboadern auf Bali ging mein Longboard-Abenteuer auf Lombok weiter. Diesmal sollte ich die Person treffen, die ich ursprünglich auf Facebook angeschrieben hatte und mir bereits die balinesische Crew vermittelte. Ozzie hiess die mir noch unbekannte Person, die mich wie vereinbart mit dem Roller am Hafen von Teluk Nare abholte und mich ins Zentrum vom touristisch einigermassen erschlossenen Senggigi brachte. Dass ich es mit einer aussergewöhnlichen Person innerhalb der Longboardszene zu tun hatte, erfuhr ich erst während der folgenden Woche auf Lombok. „Auf diesem Strassenabschnitt hatten wir letztes Jahr einen Event“, erklärte mir der 29-jährige Longboard-Profi während der Rollerfahrt zu meinem Homestay, als wir die kurvige Strasse entlang der Westküste Lomboks herunterdüsten. Die Kulisse war atemberaubend: Eine Bucht mit weissem Sandstrand folgte auf die nächste, türkises Wasser und weit und breit keine Menschenseele zu sehen.

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Longboarden am „Gokil Hill“ mit Ozzie (rechts) und rund der Hälfte aller Longboarder von Lombok.

Ich war begeistert von der Landschaft in Lombok. Und die Longboard-Crew, besonders Ozzie, trugen zu einer abenteuerlichen Zeit auf der Insel bei. Bereits am zweiten Tag wurde ich bei meinem Homestay abgeholt und gemeinsam mit einigen anderen Longboardern aus der Umgebung übten wir an ihrem Homespot, dem „Gokil-Hill“, einige Slides. Dass ich die einzige Frau in der Clique war und dazu noch „bule“ (so nennen die Indonesier weisse, also westliche Leute) löste eine gewisse Faszination bei den Jungs aus. Leider war ihr Englisch nicht gut genug, um ausführlichere Gespräche zu führen. Fürs gemeinsame Longboarden, Fotos machen und Spass haben reichte es jedoch allemal.

Steile, schmale Strassen und schöne Strände

Ich hatte mich schon fast daran gewöhnt, dass es sich bei Verabredungen in Indonesien meist um „Asian Time“ handelt, und ich es mit meiner schweizer Pünktlichkeit nicht so genau nehmen muss. Anders bei Ozzie: Wenn er sagte, er hole mich um neun Uhr ab, dann stand er dann auf dem Teppich. So waren wir auch bei Zeiten unterwegs zum nächsten Spot irgendwo in der Pampa von Slong Belanak an der Südküste Lomboks mit Blick aufs Meer. Ich quetschte mich mit sieben Jungs und entsprechender Schutz- und Longboardausrüstung in ein Mietauto. Geredet wurde nicht viel, die Charts-Musik aus den Boxen war zu laut und die Jungs zu sehr mit Instagram und ihrem Handy allgemein beschäftigt. Dies tat meiner guten Laune keinen Abbruch, ich grinste voller Vorfreude auf einen spannenden Tag vor mich hin. Am Spot angekommen, liessen ungewohnte Szenen nicht lange auf sich warten. Während in Bali manchmal Hühner und Hunde auf der Strasse anzutreffen waren, trafen wir hier auf unzählige Rollerfahrer, die mit ihrem Surfbrett auf der Suche nach der perfekten Welle waren, oder gar auf eine Herde Wasserbüffel, die auf eine neue Weide getrieben wurde.

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Das Auto war bis unters Dach mit Leuten und Ausrüstung gefüllt.

 

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Ich habe den Überblick über die vielen Instagram-Posts mit Fotos von mir längst verloren. (Screenshot)

Einige der Jungs gaben sich mit kürzeren Streckenabschnitten zufrieden, um ihre Stand-Up-Slides zu üben und fleissig Fotos für Instagram zu machen. Ich schloss mich den Jungs an, die den übersichtlichen Track ganz hinunterfuhren und nachher per Roller-Stop von Surfern wieder nach oben gebracht wurden. (An dieser Stelle eine kleine Story darüber, wie klein die Welt doch ist: Ich wurde einmal von einem Spanier namens Jesus hochgefahren und wir plauderten ein wenig. Später am selben Tag traf ich ihn an einem Strand wieder. Drei Tage später war er auf dem selben Speed Boat zu den Gilis. Und eine Woche später, zurück in Bali, lief er mir zurück in einem Nachtclub über den Weg.) Die Mittagspause und den Feierabend verbrachten wir an zwei Stränden, die alles, was ich bisher an schönen Stränden gesehen hatte, in den Schatten stellten. Der Mawun Beach und der Slong Belanak Beach lagen beide in einer Bucht zwischen zwei Hügeln, tiefblaues Wasser, weisser Strand und als Tüpfchen auf dem i ein fast schon kitschiger Sonnenuntergang. Ich hatte beinahe Muskelkater in den Wangen vor lauter Grinsen ab diesem perfekten Tag.

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Sonnenuntergang und Wasserbüffel am Strand von Slong Belanak.

Hinter den Kulissen eines Dokumentarfilms

Schon während der ersten Skate-Session witzelten einige Jungs, dass Ozzie übrigens berühmt und Hauptdarsteller in einem Film sei. Dass es sich bei diesem Film um einen Dokumentarfilm über Ozzie und sein Engagement in der Longboard-Szene handelt, wurde mir erst später klar. Dann, als ich Ren kennenlernte, ein Indonesier aus Sumatra, der seit sechs Jahren in Köln wohnt und als Filmemacher arbeitet. Während unserem Ausflug auf die Gilis erfuhr ich mehr über das Film-Projekt „Lombok Longboard“, an dem er schon seit über drei Jahren arbeitet.

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Ozzie (links) und Ren besprechen vor der Werkstatt den weiteren Dreh-Plan.

Ich erfuhr auch, dass Ren nicht zufällig in Lombok war, sondern, um mit Ozzie noch ein paar fehlende Szenen für den Film zu drehen. Beispielsweise Szenen, in denen der Rohbau einer Skate-Bowl in Ozzies Garten direkt hinter seinem bescheidenen Häuschen zu sehen ist. Es wird dritte Bowl in Lombok sein und kann nur dank verschienenen Sponsoren realisiert werden. Weitere Szenen wurden in Mataram gefilmt, beim einzigen Skate-Park in Lombok. „Der Park wurde von der Stadt erbaut, eigentlich eine gute Idee“, erklärte mir Ozzie. „Aber weil sie keine Ahnung von Skate-Parks haben, bauten sie die Elemente wie Hauswände“, fuhr er fort, während Ren mit seiner Kamera um uns herumschwirrte. „Wir nennen den Park auch ‚Mondlandschaft‘, weil die oberste Schicht des Betons überall abgeblättert ist.“ Doch auch wenn der Park befahrbar wäre, wären dort sehr wenige Skater anzutreffen. Zu teuer und zu schlecht erhältlich sind Skate-Artikel auf Lomok.

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Die Skate-Bowl in Ozzies Garten nimmt Form an (Foto: Facebook).
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Ozzie gibt in der „Mondlandschaft“ einem Jungen Tipps für einen Ollie, während Ren filmt.

Ohne Ozzie läuft gar nichts

Und genau dem möchte Ozzie entgegenwirken. Dies macht er einerseits mit seinem Skate-Shop, den er seit zwei Jahren in Senggigi führt und einige Artikel importiert. Damit hat er es sogar in die Google-Werbung von Lombok geschafft. Andererseits führt er mit einem Freund zusammen die Longboard-Marke „Gokil“, wobei er die Bretter in seiner eigenen Werkstatt presst und veredelt. Diese (für meinen Geschmack etwas zu schweren und zu grossen) Decks verkauft er zu erschwinglichen Preisen oder verschenkt sie gar. Seine Longboard-Crew versorgt er mit Rollen, Achsen und anderem Material, das er von Longboard-Rennen in ganz Asien nach Hause bringt.

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Ozzies Werkstatt, in der er seine Gokil-Longboards anfertigt.

Auch Ren, selbst leidenschaftlicher Longboarder und an Events in ganz Europa unterwegs, brachte zu einem früheren Dreh einiges an Longboard-Ausrüstung aus Deutschland mit. Ich durfte ebenfalls Rens und Ozzies Grosszügigkeit erleben. Per Roller zeigten sie mir versteckte Orte auf der Insel, an denen ich als „bule“ nur komisch angeschaut wurde. Ich erfuhr viel über ihre Kultur und konnte von ihrem Insiderwissen profitieren. Die beiden zeigten mir Früchte und lokale Spezialitäten, versorgten mich beim Feiern mit Drinks zu Local-Preisen und nahmen mich mit an eine Hochzeit und zu einem BBQ. Kurz: Sie machten meine Woche in Lombok zu einem unvergesslichen Erlebnis.

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Longboarden im Longboard-Paradies Lombok mit Blick aufs Meer – was will man mehr? 

 

LONGBOARDEN IN LOMBOK: Ozzie bietet vom 23. -29. März 17 einen Longboard-Trip mit diversen Ausflügen auf der ganzen Insel an. Check it out auf Facebook.


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