Australien: Einmal Great Ocean Road und zurück

 

Was liegt näher, als nach Neuseeland auch Australien per Campervan zu erkunden? Eben! Deshalb haben wir nach Neuseeland und Fiji noch einen knapp vierwöchigen Road-Trip an der Ostküste Australiens unternommen. 

Great Ocean Road
Die Great Ocean Road ist bekannt für viele Surfspots und imposante Felsformationen.

Meine Reise-Crew ist dieselbe wie auf den Fijis: Mein Bruder Stephan und seine Freundin Corina. Der Road-Trip startet Mitte Januar in Brisbane und führt uns zuerst etwas in den Norden, bevor wir Richtung Süden nach Sydney und Melbourne düsen. Da wir alle eher Natur- als Stadt-Liebhaber sind, haben wir nach einem Tag Sightseeing in Brisbane genug von Wolkenkratzern, Verkehrslärm und überfüllten Shoppingstrassen. Stattdessen fläzen wir in Sunshine Coast am Strand herum, treffen einen von Stephans Militär-Kumpels, der dort sein Austauschsemester verbringt, und jassen bis tief in die Nacht hinein mit ein paar Bierchen am Strand. Das Jassen haben wir später noch einigen neuen Freunden beigebracht. In Australien gibt es nun einige, die das traditionelle Schweizer Kartenspiel beherrschen, wenn auch nur „obenabenunenufezwüschetdure“, aber ohne „wiiise“. Das ist selbst für mich noch zu verwirrend.

Strand und Jungel im 4WD-Truck

Rainbow Beach
Der Rainbow Beach macht seinem Namen alle Ehre.

Zwei kurzweilige und impressionsreiche Tage verbringen wir auf Fraser Island, der grössten Sandinsel der Welt. Diese Insel ist nur mit Vehikeln mit Vier-Rad-Antrieb (4WD) befahrbar. Da unser Camper nicht zu dieser Kategorie gehört, buchen wir eine Tour. Auf dem Weg zur Insel machen wir einen Halt am Rainbow Beach, der seinen Namen aufgrund der verschieden Farben des Sandes mehr als verdient.

 

Unser Guide Jack lenkt den Truck auf den sandigen Wegen durch den Jungel und dem Strand entlang und gibt dabei Geschichten über das Schiffsfrack am Strand, eine ehemalige Zug-Station mitten im Jungel oder Sagen der Aborigines zum Besten. Beim Abendessen in einem Hotel auf der Insel stellt sich heraus, dass Jack früher im weltbekannten „Australian Zoo“ mit Crocodile Hunter Steve Irwin gearbeitet hat und entsprechend alles über kriechende und krabbelnde Tiere weiss. Da er zu Hause zahlreiche Echsen und Schlangen in Terrarien hält, kann er uns aus eigener Erfahrung vom Umgang mit giftigen Schlangenbissen erzählen. Am zweiten Tag stoppen wir beim Eli Creek und Lake McKenzie, um in das kühle, glasklare Süsswasser einzutauchen. Danach geht unsere Reise während zwei Stunden auf den holprigen Sandstrassen und per Fähre zurück aufs Festland. Völlig durchgeschüttelt sind wir froh, wieder asphaltierte Strassen unter unseren Pneus zu haben. 

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Unser 4WD-Truck ist zum Glück mit Klimaanlage ausgestattet. Trotz guter Federung werden wir arg durchgeschüttelt.

 

Lake McKenzie
Der Süsswasser-See Lake McKenzie mitten auf der grössten Sandinsel der Welt.

Endlich ein „Berg“

Einige Tage Strandferien sind ja gut und recht, aber langsam zieht es uns auch wieder in die Berge – oder besser, auf die wenigen Hügel, die es der Umgebung gibt. Wir entscheiden uns für den Mount Beerwah, der mit seinen 556 Metern der höchste Berg der Glasshouse Mountains ist. 1.3 km Weg, das ist ja ein Spaziergang. Denken wir uns. Wir unterschätzen jedoch völlig die 500 Höhenmetern, die wir auf dieser Strecke zurücklegen. Die vermeintlich gemütliche Wanderung endet in einer Kletterei, wobei wir grösstenteils auf allen Vieren unterwegs und der prallen Sonne ausgesetzt sind. Nach einer kurzen Pause auf dem Gipfel geht es wieder auf allen Vieren die steile Felswand runter. Und ich muss zugeben, ich hatte noch nie so viel Muskelkater in den Armen nach einer Wanderung.

Mount Beerwah
Auf dem Mount Beerwah angekommen mussten wir unsere Meisterleistung schon zum Ausdruck bringen.

Skaten hui, Surfen pfui

Da die Ostküste Australiens als Paradies für Surfer gilt, wollen wir unbedingt auch einige Wellen mit dem Surfbrett nehmen. Dem Rat vieler Freunde folgend, schnappen wir uns im Surfer-Ort Byron Bay zwei Surfbretter und machen uns auf den Weg zu den empfohlenen Spots. Der Tag ist enttäuschend: Am einen Spot kommen gerade alle Surfer aus dem Wasser, da ein Hai gesichtet wurde. Beim Nächsten ist die Strömung so stark, dass die Lifeguards nicht einmal das Schwimmen erlauben. Und beim letzten bläst der Wind so stark in die Wellen, dass selbst die Kite-Surfer an ihre Grenzen kommen, normales Surfen ist schlicht unmöglich. Meine Enttäuschung hält sich zum Glück in Grenzen, da ich mein Skateboard dabei habe und die Skate-Park-Dichte in Australien noch grösser ist als jene in Neuseeland. Schritt für Schritt wage ich höhere Drop Ins, bis am Ende meiner Australien-Reise 1.80m tiefe Drop Ins kein Problem für mich sind.

Byron Bay Leuchtturm
Der Leuchtturm beim Cape Byron am östlichsten Punkt von Australien. Von hier lassen sich schöne Sonnenuntergänge beobachten.

Hippie- und andere Dörfer

Wie gesagt, in Grossstädten werden wir drei Landeier nicht glücklich, wir ziehen kleine, gemütliche Käffer vor. Orte, wie beispielsweise Caloundra, wo wir per Zufall am Sonntags-Markt landen und uns durch das kulinarische Angebot essen und uns von Strassenmusikern in den Bann ziehen lassen. Lustigerweise kennt Stephan den Musiker Juzzie Smith von Youtube. Die „Einmannband“ in Action zu sehen, ist schlicht und einfach beeindruckend. Er spielt gleichzeitig Gitarre und Perkussion, singt oder bläst in seine Mundharmonika UND jongliert dabei noch mit drei Bällen im Takt! Ein weiteres Abenteuer für alle Sinne ist der Ausflug ins Hippie-Dorf Nimbin. Dort treffen sich die Aussteiger und Hippis des ganzen Kontinentes, um alle möglichen Halluzinogene einzunehmen und nackt den Mond anzutanzen. Oder so ähnlich. Nichts ist unmöglich an diesem Ort. Die Haare und Bärte der Leute sind lang, die Kleider bunt, die Füsse nackt. Alles ist vollgemalt und -gekritzelt und der Duft von Räucherstäbchen mischt sich mit jenem von Joints. Ein Paradies für Hippies und alle, die gerne welche wären.

Nimbin
Im Hippie-Ort Nimbin setzen Ladenbesitzer auf unkonventionelle Informationsschilder für Ladenöffnungszeiten.
Skatepark Nimbin
Auch der Skate-Park in Nimbin ist bunt und beschrieben.

Pinguine soweit das Auge reicht

Nach einigem Hin und Her entscheiden wir uns, bis zur Great Ocean Road und der Felsengruppe Zwölf Apostel zu fahren. Die Südküste im Westen von Melbourne ist bekannt für seine spektakulären Klippen und kurvige Strassen. Auf Spaziergängen zu Aussichtspunkten sehen wir Kängurus, Delphine und ab und zu auch einen dösenden Koala. Da unser Weiterflug von Sydney aus ist, bedeutet der Abstecher zur Great Ocean Road ein Umweg von knapp 2000 Kilometern. Auf der Strecke Sydney – Melbourne und zurück machen wir so gut wie keine Zwischenstopps. Damit die Zeit im Auto schneller vergeht, knüpfe ich Freundschaftsarmbänder; insgesamt elf Stück.

12 Apostel
Zwei der berühmten „Zwölf Apostel“, einer Formation aus gigantische Kalksteinfelsen an der Great Ocean Road im Südosten Australiesn.

In Melbourne selbst bleibt nicht viel Zeit für Sightseeing, da wir unbedingt noch zur Penguin Parade auf der Philip Island im Süden der Stadt wollen. Bei der Penguin Parade, die täglich bei der Dämmerung stattfindet, können wir am Strand beobachten, wie Hunderte (bis zu 2000) von Zwerg-Pinguinen aus dem Wasser krabbeln, in Gruppen über den Strand watscheln und anschliessend in ihre Höhlen und Bauten in den Dünen schlüpfen. Wir kriegen uns vor lauter „jöööhs“ fast nicht mehr ein. Die Insel, die durch eine Brücke mit dem Festland verbunden ist, ist auch bekannt für viele Kängurus und Wallabys. Auf dem Weg zurück müssen wir aufpassen, dass wir in der Dunkelheit kein über die Strasse hüpfendes Tier anfahren.

Penguin Parade
Die 35-40 cm grossen Zwerg-Pinguine überqueren in grossen Gruppen den Strand, um von Weitem wie ein grosses Tier auszusehen.

Segel-Turn im Hafen Sydneys

In Sydney verbringen wir die letzen Tage unseres Road-Trips bei Sam, einem australischen Freund, der letztes Jahr einige Monate bei mir in Winterthur gelebt hat. Zum ersten Mal seit drei Monaten schlafe ich alleine in einem Raum. Eine echte Umgewöhnung, nach so langer Zeit im Campervan, in Hostel oder bei Couchsurfen. Die Tage in Sydney sind gemütlich. Tagsüber schlendern wir durch die Strassen Sydneys und abends grillieren und jassen wir bei Sam zu Hause. An einem der letzten Tage meiner Australien-Reise schaffe ich es auch noch, Känguru-Fleisch zu kosten. Es ist sehr lecker!

Sam am Segeln
Sam übernimmt das Steuer der „Valhalla“ und steuert auf die nächste Bucht zu.

 

Harbour Bridge
Für ein Foto mit der Harbour Bridge im Hintergrund kann man sich schon mal herausputzen.

Der Ausflug in die nahe gelegenen Blue Mountains verläuft leider nicht wie geplant, da Sam’s Auto unterwegs überhitzt und abgeschleppt werden muss. Mit dem Zug und einem Fussmarsch erreichen wir dennoch Felsformation The Three Sisters. Ein unbezahlbares Erlebnis ist die Segel-Tour im Hafen von Sydney, auf die uns Sams Freund Dave mitnimmt. Bei Sonnenschein erkunden wir die verschiedenen Buchten im Hafen, fahren um das Opernhaus herum und unter der Harbour-Bridge durch und kühlen uns ab und zu im Wasser ab. Die Tage in Sydney bei Sam sind der perfekte Abschluss für den knapp vierwöchigen Road-Trip an der Ostküste Australiens. Meine Reise geht Mitte Februar für weitere sieben Wochen wieder alleine weiter, respektive zurück – nach Indonesien. Zum Meditieren, zum Skaten, Longboarden und Surfen. Und um alte und neue Freunde zu treffen.

Blue Mountains
Unterwegs in Australien mit Corina (Mitte) und Stephan, hier bei einem Ausflug in die Blue Mountains im Westen von Sydney.