Englisch unterrichten am Ende der Welt

Drei Wochen dauerte mein Volunteer-Einsatz in Seraya. Die Zeit verging wie im Flug, nicht zuletzt wegen der intensiven und kurzweiligen Englisch-Lektionen mit den balinesischen Kindern.

Wenigstens am Anfang meiner fünfmonatigen Reise wollte ich einen einigermassen geregelten Tagesablauf und Strukturen haben, um nicht direkt ins eiskalte Backpacker-Wasser geworfen zu werden. Im Internet stolperte ich über ein Volunteer-Programm auf Bali, bei dem man die einheimischen Lehrer im Unterricht unterstützen sollte. Das ganze kostet auch etwas, so kommen die Volunteers selbst für Kost und Logie auf. Zur Auswahl standen verschiedene Standorte, beispielsweise der Touristen-Hot-Spot Ubud in Zentral-Bali oder Seraya, ein abgelegener, weitläufiger Ort in der Pampa Ost-Balis direkt am Meer. Ich entschied mich für Seraya, was ich keine Sekunde bereute habe.

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Zwei Minuten vom Haus entfernt können wir stimmungsvolle Sonnenuntergänge geniessen.
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Unser Bungalow mit Doppelzimmern und Veranda gleich neben dem Sportplatz der Schule.

Kreativität ist gefragt

Während den drei Wochen waren zwischen vier und sechs Volunteers, die in einem Homestay gleich neben den Schulzimmern und dem Sportplatz wohnten. Ungefähr 50 Kinder aus der Umgebung kamen jeweils nachmittags hierhin und wurden in vier verschieden Klassen unterrichtet. Gleich bei meiner Ankunft erklärten mir die anderen Volunteers, dass es übrigens keine einheimischen Lehrer gebe haben und wir die eigentlichen Lehrer seien. Die Kinder gehen jeweils vormittags in die obligatorische Schule und der Englisch-Unterricht in diesem Volunteer-Programm ist als ihr Freizeitangebot oder zusäzliche Übungsstunden anzusehen. So bleibt während den zwei Unterrichts-Stunden neben Grammatik- und Vokabeln-Büffeln auch viel Zeit für Spiel und Spass.

Die Kinder lieben Rätsel und Quiz, natürlich im Zusammenhang mit den im Unterricht gelernten Inhalten. Manchmal machten wir Volunteers mit den Kids auch etwas komplett anderes. Die kleinsten Kids (fünf bis zehn Jahre) lieben es, Hide and Seek (Versteckis) und Rounders (Brennball) zu spielen oder zu malen. Mit meiner Klasse (14-17 Jahre) konnte ich auch anspruchsvollere Dinge machen wie Papierwürfel falten oder „Tschau Sepp spielen“. Da zwei andere Volunteers am selben Tag wie ich „den letzten“ hatten, organisierten wir einen klassenübergreifenden Sporttag mit mehreren Rennen und Spielen. Die Kids gaben alles, feuerten sich gegenseitig an, es wurde gekreischt und gelacht und am Ende des Tages war ich richtig fertig von all dem Tumult.

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Nicht alle Kinder sind gleich konzentriert bei der Sache und es braucht viel Geduld.

Intensive Nachmittage

Nicht nur der Sporttag, auch normale Unterrichts-Nachmittage forterten viel von mir und den anderen Volunteers. Einerseits gab es keinen Lesson-Plan, so mussten wir uns fortlaufend spielerische Übungen ausdenken, um mit den Kids bereits Gelerntes zu festigen. Andererseits brauchten einige Schüler sehr viel Aufmerksamkeit während des Unterrichts und vor allem die Kleinen haben das Prinzip „Aufhalten und warten, bis man drangenommen wird“ noch nicht verstanden. So wurden die Antworten auf meine Fragen wild durchs Klassenzimmer geschrien, ganz nach dem Motto „je lauter, desto besser“. In den Klassenzimmern gab es übrigens keine Aircondition, weshalb das Klima vergleichbar war mit jenem in der Masoala-Halle des Zoo Zürich. Dennoch, die Nachmittage machten mir sehr viel Spass und ich konnte trotz meiner kurzen Aufenthaltsdauer einige der Kids etwas besser kennenlernen. Da nach zwei Wochen die Klassen neu auf uns Volunteers verteilt wurden, hatte ich während der letzten Woche auch noch die Jüngeren. Wir malten viel und ich erzählte ihnen von meinem Leben in der Schweiz.

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Meine Kids mit den Fotos, die ich aus der Schweiz mitgenommen habe.

 

Zum Glück hatte ich etwa 20 Fotos ausgedruckt und mitgenommen. Mit grossen Augen bestaunten sie die verschneiten Berge, meine Studenten-Villa, Longboard- und Slackline-Fotos und Schnappschüsse mit Freunden. Mit Abstand am besten kam das Foto mit meinen zwei Brüdern an. „They are really handsome“, war das Fazit der Mädchen und viele wollten dieses Foto behalten. Als ich am letzten Tag die Fotos in der Klasse verteilte, war dieses dann auch das erste Bild, das einen neue Besitzerin fand.

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Am letzten Tag organisieren wir einen Sports Day mit verschiedenen Spielen und Rennen wie Garetten-Laufen.

Mehr zu meinen Abenteuern vor und nach den Englisch-Lektionen gibt es hier zu lesen.

Eindrücklich war auch die Geräuschkulisse, die mich in Seraya durch den Tag begleitete.

 


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