24 Stunden Geräuschkulisse

Kein Strassenlärm ist zu hören, keine belebten Touristen-Strassen und Restaurants. Unser Wohnort Seraya ist wirklich weit ab vom Schuss und wenn man Bilder sieht, könnte man meinen, in dieser Idylle sei kein Mucks zu hören. Doch der Schein trügt.

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Die vielen Hähne und ich wurden keine Freunde, auch nach drei Wochen nicht.

Bereits vor dem Sonnenaufgang in Seraya um 5.49 Uhr krähen sich die ersten Hähne in der Umgebung die Seele aus dem Leib. Ich drehe mich zur Seite, möchte nochmals eine Weile dösen. Noch ist die Temperatur angenehm, ich höre das Surren des Ventilators durch meine Oropax. Bald schon wird dieses Lüftchen jedoch nicht mehr ausreichen, um der Hitze der Morgensonne entgegnzuwirken. Spätestens um acht Uhr drücken mich die Hitze und das Sonnenlicht aus dem Bett. Das Tosen und Rauschen der brechenden und anschliessend an der Klippe zerschellenden Wellen begleitet mich in den Tag. Von meinem Bungalow aus, das sich etwa 200 Meter von einer kleinen Klippe entfernt befindet, aus sehe ich direkt auf das Meer.

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Durch das Moskito-Netz sehe ich schon fast das Meer.

Alles kommt in Gang

Während meine Zimmerkollegin und ich auf der Veranda frühstücken, sind die Tiere der Hostfamilie und der Nachbarn schon wirr am Herumstreunen, Zäune gibt es keine. Gackernde, einander hinterherrennende Hennen und deren piepende Küken mischen sich unter grunzende Schweine samt ihren zahlreichen quikenden Ferkeln. Die Kleintiere lassen sich von den herumstreunenden Hunden nicht beirren, allgemein ist es ein wildes Durcheinander der Tiere. Weht ausnahmsweise ein angenehmer Wind, hört man, wie die trockenen Blätter der Bananenbäume, Palmen und Gebüschen rascheln. Die anderen Volunteers starten nach und nach auch in den Tag. Vom Nebenzimmer höre ich das Rauschen der Toilettenspülung. Ein Zimmer weiter plätschert das Wasser aus dem Duschkopf. Während eine Kollegin im Reiseführer über Bali herumstöbert, bespreche ich mit den anderen die individuellen Pläne für das Wochenende. Einige zieht es ins pulsierende Nachtleben von Canggu und Kuta. Ich hingegen kann es kaum erwarten, mit meinem Long- oder Skateboard wieder über den Asphalt zu düsen oder hinter meinem Surfbrett die Wellen brechen zu hören.

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Intensiver Nachmittag in der Schule

Nach dem gemeinsamen Mittagessen sind wir alle etwas erschlagen, die Sonne brennt herunter und ausser den rauschenden Wellen und dem surrenden Ventilator ist während der Mittagszeit nicht viel zu hören. Die anderen fünf Volunteers und ich machen uns daran, die beiden Nachmittagslektionen vorzubereiten. Von zwei bis vier Uhr kommen circa 50 Kinder des Dorfes zu unserem Homestay, wo wir mit ihnen in den vier Klassenräumen neben unseren Bungalows Englisch-Übungen machen. Während die Jüngsten vor allem Basics und Grundwortschatz lernen, kaue ich mit meiner Klasse auch Grammatik-Themen wie der 2nd und 3rd conditional durch. Das ganze auf sehr spielerische Weise natürlich, wobei am Ende der Lektion auch Zeit bleibt für Spiele wie „Wer bin ich“, Tabu, oder sogar Tschau Sepp mit meinen mitgebrachten Schweizer Jasskarten. Die jüngeren Schüler tanzen auch gerne den Macarena-Tanz zur Musik, die lautstark aus den Boxen in ihrem Klassenraum dröhnt, oder sie spielen Versteckis. Beliebt sind auch Ballspiele auf dem kleinen Sportfeld direkt vor unseren Bungalows. Von der Veranda aus schauen wir den kreischenden und lachenden Kindern beim Spielen zu, während die Jugendlichen meiner Klasse bereits unter lautem Motorenlärm mit ihren (teilweise gepimten) Rollern davondüsen.

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Wortschatz-Session: Hier müssen die Kinder die Sinne den richtigen Organen zuordnen.

Die Ruhe nach dem Sturm

Nach dem Unterricht wird es wieder ruhiger, einzig die Vögel hört man zwitschern und ab und zu mischt sich das Muhen einer Kuh unter die anderen Tiergeräusche, die ich aber mittlerweile schon fast nicht mehr wahrnehme. Wir Volunteers gehen dann Dingen nach, wie Blog Schreiben, Fotos Aussortieren, mit Freunden Schreiben und Telefonieren, Armbänder Knüpfen, Sport Treiben oder einfach Plaudern. Manchmal geniessen wir auch gemeinsam den Sonnenuntergang von einem kleinen Klippenvorsprung aus, bevor wir gegen sieben Uhr gemeinsam Znacht essen. Jeweils mittags und abends können wir uns ein Menu zusammenstellen, wobei die Auswahl der Lebensmittel leider etwas begrenzt ist. So können wir Pommes, Reis, Nudeln und Gemüse (jeweils gekocht oder frittiert) oder Suppe frei miteinander kombinieren. Umso mehr freuen wir uns jeweils auf kulinarische Höhenflüge am Wochenende.

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Krabbel- und Kriechtiere

Zurück auf der Veranda sehen wir schon die ersten Gekos an den Wänden, die lautstark ihr unverkennbares „Ge-Ko“ quitschen, und riesige Käfer, die unaufhörlich fliegend gegen die Wand knallen. Ab und zu hüpft auch eine quakende Kröte vor unserer Veranda durch. Von weitem hören wir das Trommeln und den Gesang einer Zeremonie. Dort werden den Göttern und deren Geister Blumen und Lebensmmittel geopfert und die Balinesen tanzen sich auf traditionelle Weise in Trance. Plötzlich kommt ein greller Schrei aus einem anderen Bungalow und gleich darauf stürmt die Kollegin zur Türe heraus. Während mich Geckos, Käfer, Kröten und andere Kriechtiere (solange sie nicht acht Beine haben) kalt lassen, dreht diese Kollegin bei jedem noch so kleinen Tierchen durch. Ich eile in ihr Zimmer und jage mit einem Besen den Gecko raus, während ich mich innerlich etwas über sie und ihre Kriechtier-Phobie lustig mache. Gott straft jedoch sofort und zuverlässig. Als ich nämlich eine halbe Stunde später meine Duschsachen suche, krabbelt eine gigantische Spinne aus der Spalte zwischen Wand und Schrank hervor. Meinen Schrei hat man wahrscheinlich bis nach Singapur gehört. Schnell sind alle Volunteers bei mir im Zimmer und schauen unter hysterischem Gekreische und Gelächter zu, wie schliesslich ein Helfer vom Homestay die Spinne zerdrückte und aus dem Zimmer wischt. Die Spinne hat bei uns den selben Effekt wie ein Autounfall: Wir möchten eigentlich nicht hinschauen, aber machen es trotzdem. So beugen wir uns mit einem Sicherheitsabstand von mehr als einem Meter über die totgeglaubte Spinne. Als diese leicht mit einem Bein zuckt, flitzen wir kreischend innerhalb von einer Millisekunde zum anderen Ende der Veranda, um gleich darauf in einen Lachanfall auszubrechen.

Endlich Ruhe

Langsam erholen wir uns von der Aufregung um die Kriechtiere und hoffen insgeheim, dass nicht noch eine zweite Monster-Spinne irgendwo herumkrabbelt und vielleicht sogar unter unser Moskito-Netz kommt. Wir ziehen uns in unsere Zimmer zurück, putzen uns die Zähne, hüpfen noch kurz unter die Dusche und kriechen unter unser Moskito-Netz. Ein Hahn, der sich wohl in der Tageszeit geirrt hat, kräht noch ein paar müde Kikerikies und ein paar Hunde heulen und bellen den Mond an. Schon bald fallen wir unter dem Surren des Ventilators und dem Rauschen der Wellen in einen tiefen Schlaf.

Meinen Blogeintrag zu den Zeremonien und Ausflügen während meiner Zeit in Seraya findest du hier.

Mehr Eindrücke zum Volunteer-Einsatz als Englisch-Lehrerin findest du hier.


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